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Wintererlebniss

Wintermärchen im Sattel

Ich mag Pferde nicht besonders. Sie sind nicht übermäßig hübsch, rollen sich nicht wie eine Katze auf dem Sofa zusammen und lassen sich dort streicheln, erfordern viel Arbeit und Aufmerksamkeit und sie sind mir zu groß. Ich messe nur 1,54 Meter.

Meine Freundin Ella ist die größte Pferdenärrin unter der Sonne. Wir wohnen beide mitten in der Großstadt, zwischen Plattenbaus und Autobahnen, doch im Gegensatz zu mir gibt sie sich mit diesem Mangel an Natur nicht zufrieden. An jedem Wochenende nutzen wir die Gelegenheit für ein bisschen Fitness im Park. Wir rollen unsere Matten aus und dehnen und stretchen uns, bis der Schweiß aus jeder Pore strömt. Ella schlägt nach unserer sportlichen Aktivität immer vor, den Umweg durch den nördlichen Teil des Parks zu gehen, weil dort die Wege besser ausgebaut seien, um vielleicht noch ein bisschen zu joggen. Doch dazu habe ich mich erst einmal überreden lassen, denn ich weiß genau, warum Ella diesen Weg gehen will. Am Nordtor stehen die Pferdekutschen.

Wintermärchen
Wintermärchen

Es handelt sich dabei um jene für mich bedauernswerte Geschöpfe, die Touristen tagein, tagaus klappernd über die harten Straßen der Stadt ziehen müssen. Sie haben stumpfes, vor Dreck verklebtes rostbraunes Fell und schlagen unentwegt mit den Schweifen, um die Fliegen fernzuhalten. Doch für echte Stadtbewohner, wie Ella eine ist, sind sie die schönsten Geschöpfe der Erde.

Ich traue mich nicht näher an die Tiere als zehn Meter. Das ist mein Sicherheitsabstand. Die Pferde spüren meine Angst und beäugen mich misstrauisch, aber lassen sich dann von der fröhlich umherspringenden Ella besänftigen, die sie mit Brot und Möhren beglückt. Im Herbst werden unsere Parkbesuche seltener, bis wir sie im November ganz aufgeben, der Kälte wegen. Ich sitze täglich in meinem modern eingerichteten Büro im zwanzigsten Stock über der Straße und denke an Bilanzen und Buchungsaufträge. Die Pferde habe ich völlig vergessen. In meinem Beruf haben sie nichts zu suchen.

Das ändert sich mit einem Restaurantbesuch kurz vor Weihnachten. Ich habe mich mit Ella getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe und wir unterhalten uns bei Pizza Margarita und einem süßen Recioto über Gott und die Welt. „Aber die Neuigkeit schlechthin habe ich dir ja noch gar nicht erzählt“, kündigt Ella mit einem geheimnisvollen Funkeln in den blauen Augen an. „Mein Mann ist in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester geschäftlich nach Bangkok unterwegs. Damit ich in der großen Wohnung nicht alleine bleiben muss, hat er mir eine Überraschung spendiert, nämlich eine Woche auf einem Reiterhof in Bayern.“

„Wie schön für dich“, freue ich mich ehrlich für sie. „Ist das nicht dein großer Traum?“ „Ja“, bestätigt mir Ella sofort und nimmt noch einen Schluck Rotwein. „Und die Gelegenheit für dich, endlich deine alberne Pferdeangst loszuwerden. Ich habe Michael nämlich gebeten, ein Doppelzimmer zu buchen. Ist das nicht toll? Zwei beste Freundinnen fahren auf den Reiterhof!“ Sie freut sich wie ein Kind. „Vor allem, wenn ich an die endlosen Ausritte im glitzernden Schnee denke. Ich kann es gar nicht erwarten.“

„Ein nettes Angebot, aber es ist einfach Schwachsinn, mich auf ein Gestüt schleppen zu wollen. Aber ich komme gerne mit: wenn diese Zimmer einen Fernseher haben, weißt du ja, wo du mich suchen musst“, meine ich trocken. „Es gibt keine Widerrede“, protestiert Ella mit dieser Durchsetzungsfähigkeit, um die ich sie immer wieder bewundere. „Ich sage dir, wenn du erst einmal dort bist, kriege ich dich ganz schnell auf so einen Pferderücken.“ Wir sind sogar ziemlich bald dort. Nachdem wir Weihnachten übersättigt und hektisch überstanden haben, brennen wir geradezu auf eine zweistündige Fahrt im Auto, wo wir ganz unter uns sind.

Als wir vor dem verwitterten und etwas windschiefen Schild mit der aufregenden Aufschrift „Gestüt Meierhof“ ankommen, kann ich mir einen etwas hämischen Blick auf Ella nicht verkneifen. „Na, wie sieht es aus mit einem ausgedehnten Ausritt durch den Schnee?“ In den letzten Tagen hat es nur geregnet und der unbetonierte Hof ist eine matschige Pfützenlandschaft. Zu allem Überfluss haben wir die Regenschirme im Koffer deponiert und eilen so mit aufgeschlagenen Mantelkrägen und kleinen Hopsern über die Wasserläufe zur Rezeption. Ein wirklich glorreicher Beginn.

Die dralle Maid am Empfang bedenkt unsere nasse Erscheinung mit gütigen Blicken und verweist uns auf ein gemütliches Zimmer im Landhausstil. Für den Abend verspricht sie uns einen kräftigen Bauernschmaus. Mit Reiten würde es wohl heute nichts mehr werden, sagt sie mit bedauernder Geste auf den strömenden Regen. Ella ist enttäuscht. Sie träumt von einem romantischen ersten Ritt in den Sonnenuntergang. Mit dem Komfort und der Gastronomie bin ich sehr zufrieden und alles hat den Anschein eines entspannenden Wellness- oder Wanderurlaubes in den Bergen, wäre da nicht immer der unterschwellige Gedanke an die Vierbeiner, deren ungeduldiges Trommeln ihrer Hufe an die Stallwand sogar manchmal bis in unser Zimmer dringt.

Bei einem ebenso kräftigen Bauernfrühstück mit fettem Schinken und guter Milch deutet die Reiterhofbesitzerin Maria an, dass ihre Gäste für gewöhnlich am Ställe ausmisten und saubermachen mit beteiligt werden. „Das Leben ist kein Zuckerschlecken“, ist ihr Leitspruch und eine weitere leise Anspielung besagt, dass wir am Vormittag eigentlich mit den ersten zwanzig Ställen beginnen könnten. Noch regnet es, aber gegen Nachmittag wird der Regen in Schnee übergehen, verspricht die Frau mit der Sicherheit einer Meteorologin. Mit zugegebenermaßen etwas Stolz ziehe ich die nagelneuen Reiterhose und wattierte olivefarbene Weste an, die Ella und ich im Zwillingsstil noch in der Stadt erworben haben. Dazu provisorisch unsere schwarzen Lederstiefel, die auch schon bessere Tage gesehen haben. Den Reithelm kann ich zum Glück im Schrank lassen.

Maria wartet schon vor dem Stalleingang auf uns, bewaffnet mit zwei Mistgabeln. Sie erklärt uns, wo wir die Pferde in der Zeit, in der wir ihren Stall ausmisten, hinführen können und es frisches Stroh gibt. Ella ist sofort zu den großen Pferden geeilt, doch ich stehe zitternd vor den Ponys. „Zero“ beäugt mich neugierig durch seine dichte schwarze Lockenmähne hindurch und wartet auf meine Reaktion. Ich schiebe den Riegel zurück und öffne die Tür. Maria hat uns erklärt, wie wir ein Halfter anlegen müssen und vorsichtshalber wedele ich ein paar Mal mit meiner Hand vor dem riesigen Pferdekopf herum. Vielleicht hoffe ich, dass er zuschnappt. Aber „Zero“ starrt mich mit grenzenloser Verachtung an. Mit einer zielsicheren schnellen Bewegung lasse ich die beiden Metallringe zuschnappen. Geschafft. Das Halfter ist lang, also werde ich „Zero“ wohl irgendwie hinter mir her zu der großen Reithalle schleifen können. Er trottet mir gutmütig hinterher und mich überkommt ein Gefühl des Triumphes.

In der Reithalle wartet schon Ella mit einem wahrhaft riesenhaften Wallach hinter ihr. Wir binden die Pferde nebeneinander an und machen uns an die Stallarbeit. Das Ausmisten ist keine leichte Arbeit, aber ich kann meinen Gedanken nachhängen und so lange ich nicht auf so einen Pferderücken muss...ich denke daran, mich bei Maria als Stallbursche zu verdingen. Sie hat bestimmt nichts dagegen. Am Nachmittag sieht die Chefin nach unserer Arbeit und ist sehr zufrieden. Auch ich putze mir erleichtert ein paar Strohhalme von der schicken Hose. Ich habe es geschafft, vierzehn Pferde, also achtundzwanzig Mal, vom Stall zur Reithalle und umgekehrt zu bringen ohne verletzt zu werden. Den größten Schreck jagte mir „Elaine“ ein, als sie mir dicht neben meinen Ohren in die Haare prustete.

Maria beschließt, uns zur Belohnung endlich galoppieren zu lassen. Inzwischen schneit es tatsächlich, aber es ist ziemlich glatt draußen. Also gehen wir in die Reithalle. Dort stehen, schon gesattelt, ein großer Hengst, „Amigo“ für Ella und mein Liebling, „Zero“, für mich bereit. Ella springt sofort mit einer Gewandtheit und Grazie auf „Amigo“, als sei sie professionelle Zirkusakrobatin von Kindesbeinen an. Maria lobt sie und erklärt ihr, wie sie mit ihm ein paar Runden im Trab laufen kann. Ellas Strahlen erhellt die gesamte Halle.

Dann wendet Maria sich mir zu. Auffordernd klopft sie auf den Sattel und zögernd trete ich ein paar Schritte näher. Dann erklärt sie mir, wie ich mich elegant auf „Zero“ heraufschwingen kann. Er ist nur ein Pony und demnach auch für mich keine große Herausforderung – aber ein natürlicher Instinkt sagt mir, von ihm fernzubleiben. Das lange Stillstehen macht „Zero“ unruhig und er tänzelt ein paar Schritte vor und zurück. Probeweise stelle ich meinen linken Fuß in den Steigbügel und frage mich, wie das schmale Tier mein gesamtes Gewicht aushalten soll. Maria macht dem endlosen Debattieren ein Ende, in dem sie mich kräftig von hinten schiebt.

Mein erster Ritt ist unspektakulär und nicht von Ruhm gekrönt. „Zero“ läuft die vorgegebene Runde in leichtem Trab. Mir ist das Geschaukel unangenehm und ich sitze verkrampft und klammere mich mit den Händen in seiner Mähne fest. Noch nie habe ich größere Todesängste verspürt. Jede Sekunde erwarte ich, vom Rücken zu rutschen, beim Runterfallen mich in den Zügeln zu verheddern, unter die gnadenlos stampfenden Hufe zu geraten und erbarmungslos zermalmt zu werden... Ein eisiger Luftschwall unterbricht meine düsteren Fantasien. Ein Junge hat das große Tor, welches auf die Koppel führt, geöffnet und ich sehe eine weiße Schneedecke und dichte, tanzende Flocken.

Maria hat inzwischen ihren Apfelschimmel gesattelt und winkt uns zu ihr herüber. Dann reitet sie in das Schneetreiben und verschmilzt bald mit den Konturen. Ella wendet ihren Hengst und reitet auch in Richtung Ausgang, „Zero“, der es gewohnt ist, von mir keine Anweisungen zu erhalten, folgt dem anderen Pferd. Wir reiten auf ein kleines Wäldchen zu, an dessen Rand schon Maria auf uns wartet. In ihren und Ellas Augen funkelt die Abenteuerlust. Ich taste vorsichtig nach meinem Handy. Hoffentlich hat es im Wald Empfang, falls ich mich verirre oder verletzt werde...

Ohne zu Zögern wenden die zwei Frauen ihre großen, schönen Pferde auf einen kleinen Waldweg und ich folge ihnen wohl oder übel. Immer wieder müssen wir tief herabhängenden Zweigen ausweichen. Ich versuche, zurückzuschauen und mir den Weg zu merken, aber dieser verschwindet bald im Flockenwirbel. Aus den Nüstern der Pferde dampft die warme Atemluft und es ist ein vertrauter, zuversichtlicher Anblick. Die Pferde trotten behäbig und gemächlich dahin und wage ich es, mich aufzurichten und meine Muskeln etwas zu lösen. „Zero“ quittiert dies mit einem erleichterten Schnauben und erhöht sein Tempo zu einem lockeren Trab. Hat er meine Anspannung und Angst gespürt?

Der Wald ist zu Ende und wir kommen zu einer großen Wiese. Maria und Ella nicken sich zu und schnalzen dann mit der Zunge. Die Pferde beginnen wie ein von einer Sehne geschnellter Bogen zu galoppieren und die Frauen lachen und kreischen wie Cowboys. Vorsichtig klopfe ich „Zero“ auf den Hals und als ich merke, dass es ihm zu gefallen scheint, klopfe ich ein bisschen stärker. Vielleicht habe ich ja doch ein Händchen für Tiere, und Pferde im Speziellen. Voller Zuversicht schnalze ich mit der Zunge und „Zero“ trabt den anderen beiden Pferden hinterher. Ich genieße den Wind in meinen Haaren und nasche verstohlen ein paar Schneeflocken. Ja, tatsächlich, das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.

Autorin: Anke Werner, 16 Jahre

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