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Pferdegeschichten

Die Hausfrau und der Rittmeister - oder der Fluch der reisenden RL!

Nun ist es mal wieder soweit....der Flunke geht mal wieder der Hut hoch. Diesmal bin ich nicht selber betroffen, diesmal ärgere ich mich über die Blödheit und selbstgefällige Ignoranz einiger Leute. Da ist z.b. die Hausfrau, nennen wir sie mal Frau Böhnchen. Frau Böhnchen ist die Gattin eines gutsituierten Automobilverkäufers und hat neben viel Geld auch viel Zeit zur Verfügung.

Böhnchen kam zu uns mit einem steifbeinigen WB-Wallach, 7 jährig. Ca. 170 cm mit dem klangvollen Namen "Dream of Spring". Nennen wir ihn der Einfachheit halber Dreami - nein Dreami trifft es nicht, ihr müsst euch das mit gerolltem "RRRR" und gequietschtem "IIIIII" vorstellen, also eher so: Drrrrrrriiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiii - *schauder*...

Böhnchen hatte sich das Tier in dem Reitverein aufschwatzen lassen, in dem sie ihre 38 Longenstunden absolvierte um dann in die Abteilung entlassen zu werden. Dreami war dann das erste Pferd, das so freundlich war sie nicht abzuschmeißen bzw. im Galopp zu verlieren, denn Dreami galoppierte gar nicht erst mit ihr.

Nun war Böhnchen also akut hilfsbedürftig und wurde durch einige Privatställe gereicht bis sie letztlich an unsere Türe klopfte und auch bereitwillig Einlass fand. Persönlich ist gegen Böhnchen nichts einzuwenden. Die Stallmiete kommt per Dauerauftrag, sie ist ordentlich UND sie putzt regelmäßig freiwillig unser Stallklo! Leider ist Böhnchen aber nicht sehr helle, was die Natur bei ihr mit einer fabelhaften Figur und einem sehr hübschen Gesicht zu kompensieren versucht hat.

Da Männer bekanntlich besser Gucken als Denken können, hat ihr dies wohl auch den Mann eingebracht, der sie nach einigen Ehejahren jetzt allerdings lieber in den Stall schickt, als sie selber zu bespaßen. Leider ist Böhnchen aber sehr untalentiert was das Reiten angeht. UND Böhnchen ist sehr empfindlich was ihre Reitkunst angeht. UND Böhnchen überschätzt ihr Können was das Reiten angeht.

Anfänglich habe ich ihr Unterricht gegeben und, zugegeben, ich nenne das Kind beim Namen. Bei mir heißt der Po A... oder Hintern. Ich sage "das und das war sch...." oder "da und da, das war Bullshit". Man möge es mir verzeihen, aber ich bin auf dem Land groß geworden, wo Vater die Schweine noch selber kastriert hat und die abgeschnittenen Klöten vom Hofhund vernascht wurden, noch ehe sie im hohen Bogen geworfen die Erde berührten.

Böhnchen hingegen mag es nur auf die Zarte, nennt ihren verlängerten Rücken „mein Gesäß“, sagt nicht sch.... sondern schlimmstenfalls „verflixt“ worauf mein Männe immer sagt, na Böhnchen was ist denn heute wieder so verfickt????? worauf Böhnchen sich die Ohren waschen geht, weil sie jetzt so ein schlimmes Wort gehört hat.

Schnell haben Böhnchen und ich gemerkt, dass wir nicht die selbe Sprache sprechen was Umgangsformen angeht und sie fing an mir aus dem Weg zu gehen. In Ihren Augen bin ich die ungehobelte Landkuh mit der Affinität zu schlimmen Worten - aber man muss sich ja nicht lieben, um miteinander auszukommen. Auf jeden Fall bat sie mich um Erlaubnis, einen eigenen Reitlehrer zu engagieren, der sie ordentlich und individuell fördern würde.

Kein Problem für mich und so gab sie in den einschlägigen Printmedien Suchanzeigen auf und fand ihn, den Rittmeister. Nennen wir ihn Herrn Schürstädt. Herr Schürstädt war die Hoffnung des Bundeskaders im Jahre 1952 und ritt bis 1953 international S-Springen. Er verpasste in den nachfolgenden Jahrzehnten aber den Anschluss und tingelte mit seiner Amateurreitlehrerlizenz durch die Reitställe der gutsituierten Welt, bis in den 70-ger und 80-ger Jahren auch Menschen wie Flunke in die Gymnasien und Reitschulen durchsickerten und den elitären Sport auf das Niveau des Breitensportes herunterzerrten.

Herr Schürstädt fährt einen alten DB 123, einen Diesel, der klackert und rattert und sein Kommen schon Minuten vorher erahnen lässt. Klackernd und ratternd quält sich nun also 3 mal die Woche der 123er die Straße zu uns hoch, hält pustend und schnaufend auf unserem Hof, rüttelt und schüttelt sich und spuckt durch die knarzende Tür den Rittmeister aus. Beige ausgestellte Cordreithose, die die knispeldünnen Beine kaschieren, ein weißes!!!! Oberhemd, *tocktocktock*, in welchem der Bauch in Zusammenarbeit mit einer feschen Steppweste auf das sportliche Höchstmaß eines für einen rüstigen Mittsiebziger noch vertretbaren Umfanges zusammengeschnürt wird. Ton in Ton darüber die Steppjacke, der faltige Hals mit einem Seidenschal kaschiert.

Und nun folgt das Ritual! Er nestelt in seiner Tasche rum und setzt sich eine Sonnenbrille auf, die wohl im selben Jahr Geburtstag hatte wie der 123er und ihm die Attraktivität von Puck der Stubenfliege verleiht. Dann kramt er sein silbernes Zigarettenetui aus der Tasche und zündet sich eine Perze an, zieht verzweifelt drei bis viermal an dem Stengel, als müsse er sich einen Joint einpfeifen, um das Folgende zu überstehen.

Nun stelle man sich meinen Mann vor, der hinter der Wohnzimmergardine lauert und bereits beim vierten Auftritt des Rittmeisters in der Lage war die Dialoge zu soufflieren: "HUHU, Herr Schüüüüüüürstääääädt", zwitschert es zunächst aus dem Stall quer über den Hof, "ich habe Drrriiiiiimiiii schon fast fertig geputzt!" Mein Mann trippelt auf Zehenspitzen vor dem Fenster hin und her. Herr Schürstädt schlendert über den Hof und lässt ein lautes anerkennendes "AAAAAAAAAAAAA", hören. Männe stolziert mit erhobenem Kopf um den Blumenhocker. Dann kommt: "Naha, Frrau Bonne, wie geht es meiner Lipplingsschüllerin denn heute", worauf er ansatzweise vor Böhnchen salutiert, gefolgt von einer halben Verbeugung. Männe verbeugt sich vor dem Foto meiner Mutter im Wohnzimmerschrank.

Dann lässt er die kichernde Bohne zu seiner linken und streicht mit der Rechten über Dreamis Hals und Rücken und sagt: "Na Drimmmmi, hast dir ein feines Frauchen ausgesucht", worauf das feine Frauchen die erste Verlegenheitsröte des Tages zeigt. Männe streichelt andächtig über die Sofalehne und wirft der Plüschente einen Handkuss zu.

„Na dann will ich ihn mal satteln!“ kommt dann, gefolgt von einem „ich glaube Driimiiii möchte heute nicht so scharf geritten werden“. Das ist die Lieblingstelle meines Mannes, der dann meist zweideutige Handbewegungen macht und von mir zur Ordnung gerufen werden muß.

Herr Schürstädt antwortet mit einem charmanten Lächeln, bei dem Inge Meisel noch Frühlingsgefühle bekommen hätte: "Aaaach Frau Bonne, das machen wir heute ganz aus der Ruhe", worauf mein Mann langgezogene Schnarchgeräusche von sich gibt. So folgt eine charmante Bemerkung der anderen und gemeinschaftlich zieht man gen Reitplatz, nur bei schönem Wetter versteht sich. Was nun folgt könnte als Daily Soap unter Gutes Reiten, schlechtes Reiten auf Pro 7 laufen und anderem Quatsch mühelos den Rang ablaufen.

Der Rittmeister hilft der Hausfrau galant aufs Pferd, ordnet ihr die Steigbügel, gibt dem Pferd einen aufmunternden Klapps und geht dann augenrollend zum Unterstand, um in der Wendung zu Frau Bonne erst mal wieder sein charmantestes Lächeln aufzusetzen. „Soooooo Frau Bonne, nun reiten sie ersteinmal schööööön Schritt, das ist nämlich wichtig für Drimmmi“ gefolgt von einem verzweifelten Blick auf die goldene Armbanduhr.

Die nächste Perze wird aus dem silbernen Schächtelchen genommen, beim inhalieren quellen die Augen hervor, die Haut über den Wangenknochen verfärbt sich ob der Anstrengung weiß. Nun kommt der obligatorische Hustenanfall, der Böhnchen veranlasst dem Rittmeister besorgte Blicke zuzuwerfen. An dieser Stelle fragt mich mein Mann immer was wir nur machen würden, wenn uns der Rittmeister auf dem Hof einfach umfällt und wegstirbt.

Das wäre wohl unangenehm aber bei meinem Glück würde es mich nicht wundern wenn es tatsächlich mal wieder bei uns passiert. In der Zwischenzeit lässt der Rittmeister antraben und Dreami zieht gelangweilt seine Runden und man kann Böhnchen leise schnaufen hören. „Frau Bonne sie müssen Drimmmi mehr aktivieren“ kommt es aus der Raucherecke. „Mach ich doch Herr Schü-hür-städt!“ kommt es aus der Bahn zurück und man kann Böhnchen schnaufen und prusten hören.

„Sie sollten versuchen geschmeidiger einzusitzen Frau Bonne“ stößt der Rittmeister zwischen zwei Lungenzügen hervor und ein erneuter Hustenanfall übertönt das gleichmäßige Aufplatschen von Böhnchens Hinterteil im Sattel. „Da-has geht doch heu-eute schon vie-iel bes-ser, Herr Schü-ür-städt“ japst es vom Pferd herunter und man kann Böhnchen laut schnaufen, prusten und stöhnen hören. Nach diesen drei anstrengenden Runden ist erst mal eine Schrittrunde angesagt, wobei sich Herr Schürstädt eine neue Perze genehmigt und Böhnchen anfängt über ihren Dreami in wahre Lobgesänge auszubrechen.

Der Rittmeister stimmt höflich zu, sagt was Nettes über die hübsche Farbe von Drrimmmis Mähne und lässt unser Böhnchen nach einer Weile noch mal antraben im Aussitzen. Die folgenden Kommentare stimmen zu 100 % mit denen davor überein. Nach knapp 30 Minuten ist diese Reitstunde beendet. Der Rittmeister kleidet sich noch mal in Nettigkeiten und Böhnchen überrecht ihm freudestrahlend den 50 Euro-Schein für die hervorragende Einzelstunde. *andenkoppfass*

Nun hat es der Rittmeister sehr eilig. Termine, Termine, Termine, steckt sich eine Perze an, schüttelt sich noch mal vor lauter Husten und knattert von dannen...bis übermorgen, dann wenn ich den nächsten Schein abholen komm. So, ihr Lieben, das ist nur einer der fahrenden Reitstundenhändler die bei uns auflaufen.

Autorin: Flunke

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