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FN...aktuell: Ausbildung
u.a. Betriebsleitermeeting: Betriebsinhaber informierten sich über Neuerungen im Pferdesport +++ FN-gekennzeichnete Betriebe
Quelle: FN...aktuell
14.11.07 | Seite 1 von 3

Betriebsleitermeeting
Betriebsinhaber informierten sich über Neuerungen im Pferdesport

Warendorf (fn-press). Fortbildung, Information und Erfahrungsaustausch sind die drei Zugpferde, die rund 150 Inhaber FN-gekennzeichneter Betriebe auf Einladung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zum jährlichen Betriebsleitermeeting Mitte November nach Warendorf lockten. Auf der Tagesordnung standen zum einen die neue "Wettbewerbs-Ordnung für den Breitensport" (WBO) und die Veränderungen im Regelwerk für den Turniersport, die "Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) 2008". In diesem Zusammenhang wurden auch die neue Gewöhnungsprüfung und die nun verbindlichen, im "Aufgabenheft für Reiten 2008" beschriebenen Reitpferdeprüfungen in Theorie und Praxis vorgestellt. Darüber hinaus gab es praktische Tipps für die Sitzschulung im Reitunterricht. Vorträge zum Thema Pferdehaltung und Fördermöglichkeiten für Pferdebetriebe rundeten das Treffen ab.

Mit den neuen Regelwerken, die am 1. Januar 2008 in Kraft treten, tut sich was für junge Pferde. Zum einen kommt die Gewöhnungsprüfung für drei- und vierjährige Reitpferde auf den Markt. "Diese Prüfung vereint alle Kriterien der korrekten Ausbildung des jungen Pferdes in der Gewöhnungsphase, wie wir sie in der Ausbildungsskala definiert haben: Takt, Losgelassenheit und Anlehnung", sagte Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport, der diese Prüfung zusammen mit den Abteilungen Ausbildung und Zucht entwickelt hat. Mit dieser Prüfung soll das junge Sportpferd an das Turniergeschehen herangeführt werden. Es soll zeigen, dass es gelassen und ruhig mit der Situation umgehen kann und fit ist für den Turnieralltag. In einer praktischen Vorführung erklärte Otto-Erley, wie die Prüfung ablaufen soll und was von den Pferden verlangt wird: Es wird auf mindestens 20 mal 40 Metern zu dritt in der Abteilung geritten. Gezeigt werden alle drei Grundgangarten. Um den Gehorsam des Pferdes und das Vertrauen zum Reiter zu testen, muss jeder einmal von der Gruppe wegtraben und einzeln galoppieren, um sich dann wieder hinten anzuschließen. Weiter wird das Zügel-aus-der-Hand-Kauen verlangt. Zu guter Letzt marschieren die Pferde auf der Mittellinie auf. Die Reiter steigen ab und nehmen einen Vorderhuf auf. Zum Schluss sollen die Pferde sich ruhig aus der Bahn führen lassen. "Mit diesen Aufgaben ist kein dreijähriges Pferd überfordert. Wir wollen die natürliche Bewegung des Pferdes in der Balance sehen. Nicht sehen wollen wir zu enge Pferde", nannte Otto-Erley die Bewertungskriterien. Von absolut untergeordneter Rolle ist das Bewegungspotenzial des Pferdes. "Diese Prüfung soll nur eine Frage beantworten. Ist das Pferd turnierreif?" Anders sieht es da schon bei den Reitpferdeprüfungen aus, die ab Januar definitiv nach den im "Aufgabenheft Reiten" beschriebenen Aufgaben auszuschreiben sind. Das zeigte auch die Vorführung mit drei vierjährigen Pferden. "Die Pferde müssen schon ein ganzes Stück weiter sein, als wir es eben in der Gewöhnungsprüfung gesehen haben," sagte Christoph Hess, Leiter der FN-Abteilung Ausbildung. Natürlich komme es auch hier auf die Grundgangarten an. Aber es werden auch Lektionen wie Halten aus dem Schritt und Tritte verlängern im Trab und im Galopp sowie die Galoppieren in der Abteilung verlangt. "Mit der Gewöhnungsprüfung haben wir einen sinnvollen Schritt auf dem Weg auch in die doch anspruchsvollere Reitpferdeprüfung getan."




"Herzlichen Dank. Wir haben hier ganz tolle Anregungen für unseren Reitunterricht erhalten," lobte ein Teilnehmer unter zustimmenden Applaus der anderen Gäste die Präsentation von Isabell von Neumann-Cosel (Mannheim). Die Ausbilderin und Buchautorin gab im Praxisteil des Betriebsleitermeetings Tipps für die Sitzschulung mit und ohne Longe, wie zum Beispiel das imaginäre Jonglieren von Bällen im Leichttraben, im ausgesessenen Trab und auch im Galopp. "Ich kann hier guten Gewissens das Buch ‚Balance in der Bewegung' von Susanne von Dietze empfehlen, das im FNverlag - übrigens auch als DVD - erhältlich ist," gab sie einen Buchtipp ab. Nicht zuletzt aus diesem Buch, an dem Neumann-Cosel mitgearbeitet hat, stammen viele der gezeigten Schulungsideen, mit denen ein ausbalancierter und zügelunabhängiger Sitz erreicht werden kann. Methoden, die durchaus Kondition und Koordination vom Reiter fordern. Die Referentin empfahl eine individuelle Herangehensweise: "Natürlich müssen sie das, was Sie verlangen, auf den Reitschüler abstimmen. Wie ist sein Ausbildungsstand? Was will ich korrigieren oder schulen? Habe ich ein Kind oder einen Erwachsenen vor mir?" Zweifel erhoben die Teilnehmer nicht an den Methoden, sondern eher daran, gerade Erwachsene oder fortgeschrittene Reiter von der Notwendigkeit von Sitzschulungen zu überzeugen. Die Lösung kam aus dem Auditorium selbst: Als Ausbilder müsse man das vorleben und sich auch mal selbst an der Longe im Sitz schulen lassen. Und eine Ausbilderin kannte einen ganz einfachen Trick, Reitern ihr Verbesserungspotenzial aufzuzeigen: Einfach mal die Pferde in der Stunde tauschen. "Das öffnet die Augen und ist echte Lernmotivation."

Im Vortragsteil des Betriebsleitermeetings stand einmal mehr die Pferdehaltung im Mittelpunkt. "Die heutige Pferdehaltung ist teilweise noch auf dem Stand von 1970,1980. Das ist bei weitem nicht der Standard, der uns in die Zukunft trägt," sagte Dr. Karsten Zech (Edewicht), der als Tierarzt bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg arbeitet. Er gehört zur Besichtigungskommission des Pferdesportverbandes Weser-Ems, die Betriebe kennzeichnet. Plastisch in Wort und Bild zeigte der Haltungsexperte nicht nur schlechte und gute Beispiele. Der Tierarzt begründete die verschiedenen Beispiele auch überzeugend mit der Physiologie und Psychologie des Pferdes. So ist das frei lebende Pferd als Steppen- und Lauftier gewohnt am Tag zehn bis 20 Kilometer zurückzulegen. Aber nicht in einer Stunde, sondern über den ganzen Tag verteilt. Fressend geht ein Wildpferd überwiegend im Schritt über die Steppe. Trab kommt auch vor. Nur ein Prozent der Bewegung findet im Galopp statt. In der Pferdehaltung kehren sich die Tätigkeiten, mit denen das Tier seine Zeit verbringt, notgedrungen um. Im Extremfall, der Haltung in Einzelboxen ohne Weideauslauf, werde aus dem Lauftier Pferd überwiegend ein Stehtier, denn neben der einstündigen Reitstunde lege es in der Box gerade mal 170 Meter am Tag zurück, so Zech. Der der Box vorgelagerte Paddock ist zwar eine Verbesserung, da er dem Pferd Licht, Luft, Umwelt- und Witterungsreize sowie Sozialkontakte bietet. Ausreichende, zusätzliche Bewegung biete er aber nicht: "Die Physiologie des Pferdes ist auf Bewegung ausgelegt. Wenn ein Pferd in der freien Natur mal eben einen Galoppsprint zeigt, dann ist das nicht schlimm. Es ist ja vorher Schritt gegangen und macht keinen Kaltstart. Durch die Bewegung zuvor werden die Gelenke mit Synovia geschmiert. Diese Gelenkschmiere sorgt dafür, dass der Knochen mit Nährstoffen versorgt wird. Das macht ihn stabil und belastbar. Deshalb soll man auch vor der Arbeit mit dem Pferd 20 Minuten Schritt reiten. Dann ist der Knorpel in den Gelenken auch auf Betriebstemperatur und startklar," erklärte Dr. Zech die Hintergründe. Neben Bewegung brauche das Pferd Licht - schließlich sei es kein Höhlenbewohner. "Helle Ställe gleich gesündere Pferd," so die Formel des Tierarztes. Er empfahl, das Licht im Stall einmal ausmessen zu lassen - aber nicht am Fenster, sondern in der Box im Tierbereich. Untergrenze seien 80 Lux, so die Maßeinheit für Licht. Wie wenig das ist, zeigten eigene Messdaten des Tierarztes. In einem Stall nur mit Oberlicht wurden von ihm in den Boxen nur 15 Lux gemessen. Zum Vergleich: An einem hellen Sommertag misst man draußen allein 75.000 Lux. Selbst an einem trüben Wintertag zeigt das Gerät draußen noch 8.000 Lux an. "Eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen wie zum Beispiel die Calciumbildung in den Knochen sind lichtabhängig." Neben Bewegung und Licht braucht das Pferd zudem Luft - gute, staubfreie Luft. "Pferde haben sehr empfindliche Lungen." Auch hier hatte Dr. Zech Zahlen: Während in der frischen Außenluft etwa 150 Bakterien pro Kubikmeter Luft gemessen werden, können im Stall in einem Kubikmeter Luft bis zu 700.000 Bakterien und Partikel enthalten sein. Pferde kommen aber nicht nur durch Bewegungs-, Licht- und Luftmangel zu Schaden. Ihnen kann auch die bauliche Umsetzung zum Verhängnis werden. "Achten Sie darauf, dass der Tierbereich verletzungsfrei ist: kein Strom, keine scharfen Kanten, keine falschen Gitterabstände im Tierbereich. Auch die Weideeinzäunung muss tierschutzgerecht sein. Das Pferd muss den Zaun als Grenze erkennen können. Und hütegerecht - also ausbruchsicher - sollte der Zaun auch sein, damit nicht nur ihre Pferde, sondern auch Menschen nicht zu Schaden kommen." Von guter Pferdehaltung profitieren letztlich alle: Die Pferde, weil sie gesund sind, die Pferdebesitzer, weil sie den Tierarzt sparen und zu guter Letzt auch der Stallbesitzer, weil er zufriedene Kunden hat.

"Es gibt über tausend Fördermöglichkeiten für Pferdebetriebe in Deutschland," war die gute Nachricht im Vortrag von Anne Baumgärtel (Hermsdorf), selbständige Beraterin für Pferdebetriebe. Die schlechte Nachricht ist: "Sie finden keine zentrale Stelle, bei der Sie sich darüber informieren können." Trotzdem machte die Fachfrau den Betriebsinhabern Mut, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich auf den Weg durch den Förderdschungel zu machen und sich durch die nicht immer einfachen Anträge zu kämpfen. Immerhin ist das Förderspektrum weit. Mit langfristigen, zinsvergünstigten Darlehen oder mit Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, gibt es Geld für Investitionen, Arbeit, Betriebsmittel, Existenzgründung, Energieanlagen, Beratung oder landwirtschaftliche Flächen. "Natürlich ist das eine Welt mit eigenen Spielregeln. Davon sollten Sie sich aber nicht abschrecken lassen. Allein der Prozess der Antragstellung hat schon einen positiven Lerneffekt und in der Auseinandersetzung mit den dortigen Fragen gewinnen Sie oft hilfreiche Erkenntnisse über und für Ihren Betrieb", so die Referentin.



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