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  TOVERO-MAGAZIN Ausgabe 2010-08 AUSGABE
2010-08


INHALT

Seite 8 von 8
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Christa Schütt: Ach, Sie haben Pferde - Wunder dauern etwas länger: Winnetou
// Christa Schütt

das Pferd braucht man ja ´nen Waffenschein", behauptete Peter frech. "Ihr glaubt wohl nicht im Ernst, das ihr für die ´nen Käufer findet, der mehr als den Schlachtpreis bezahlt." Jedes Argument, jeder Einwand der immer kleinlauter werdenden Besitzer wurde unbarmherzig in den Boden gestampft.

Papiere? - Na und? Die kamen aus Irland und waren hier keinen Pfifferling wert. Die Farbe? - Ach, du lieber Himmel, wer sollte sich denn auf ein Indianerpony setzen! Das Alter? - Lachhaft, mit sechs sollte ein Reitpferd etwas können und nicht dem Reiter nach dem Leben trachten. Gesund? - Das war ja nun die Voraussetzung für den Kauf.

Schließlich sagte

Peter unter dem beifälligen Nicken seiner Komplizen: "Wenn ihr die Stute jetzt nicht an die Deern verkauft, könnt ihr sie spätestens in einem halben Jahr vom Schlachter abholen lassen. Dann ist sie nämlich völlig unreitbar und taugt nur noch zu Hundefutter." Nach dieser niederschmetternden Aussage zogen sich Winnetous Besitzer zur Beratung zurück.

Und während ich mir die Lippen blutig biss, kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Männer wohl nicht so ganz Unrecht hatten. Das Angebot an mich lautete: "Fünfzehnhundert." Selig schlug ich ein. Es war geschafft.
Während die Männer auf den Kauf tranken, ging ich zu meinem Pferd in die Box, hockte mich ins Stroh und heulte meine Erleichterung heraus.

Winnetou, wie immer in der äußersten Ecke, beäugte mich misstrauisch. Weder meine Anwesenheit noch die große Neuigkeit, die ich für sie hatte, schienen sie zu interessieren. Als ich endlich ging, war sie sichtlich erleichtert.

Am nächsten Tag wurde der Vertrag aufgesetzt und unterschrieben, dann schob ich das Geld bar über den Tisch. Es war der erste November 1970. Die Quittung habe ich heute noch. Doch wenn ich mir eingebildet hatte, nun würden sich alle Probleme und Widerstände in Luft auflösen, hatte ich mich gründlich getäuscht. Jetzt ging es erst richtig los.

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