|
Als ich mich vor dreißig Jahren entschloss, meine Pferde in eigener Regie im Offenstall zu halten, tat ich das in dem sicheren Glauben und der festen Überzeugung, dass nun für mich der Himmel auf Erden anbrechen würde. Was das Reiten anging, lag ich mit meiner Vorfreude gar nicht so verkehrt. Es war ein Genuss, auf meinen ausgeglichenen und zufriedenen Pferden durchs Gelände zu streifen.
Aber dann wuchs meine kleine Herde unaufhaltsam, und bald wurden andere Dinge viel wichtiger als Sattel und Trense und wurden weit häufiger benutzt. Und das wiederum hatte ich mir nie träumen lassen. Anstatt dankbar zu sein für das feine Leben, das ich
|
 |
ihnen bot, begannen meine lieben Vierbeiner, das meine zu bereichern, indem sie anfingen, ihre Kräfte mit meinen handwerklichen Fähigkeiten zu messen.
In der ersten Zeit gewannen sie diese Duelle mit schöner Regelmäßigkeit, später, als ich mehr Routine und Erfahrung hatte, hatte ich öfter mal die Nase vorn. Aber eben nicht immer, und so blieb mir gar nichts anderes übrig, als den Umgang mit all den Geräten zu lernen, die aus der Pferdehaltung nicht wegzudenken sind. Meine Pferde haben ein fatales Talent, sich den denkbar ungeeignetsten Augenblick auszusuchen, um etwas kaputt- zumachen oder zu zerstören.
|
 |
Sie scheinen eine Art Antenne dafür zu haben, wann ich unter Zeitdruck stehe, und empfangen mich prompt mit heruntergerissenen Drähten, zerbrochenen Zaunlatten und durchgenagten Pfosten, wenn ich es am wenigsten gebrauchen kann. Oder sie suchen sich für ihre frevlerischen Taten Tage aus, an denen es so eklig ist, dass ich eigentlich nur wieder nach Hause ins Warme will.
Dann bleiben mir nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich improvisiere eine Schnellreparatur, oder ich mache die Augen zu und schaue woanders hin. Diesen Luxus leiste ich mir allerdings nur, wenn keine Gefahr besteht, dass die Bruchstellen in irgendeiner Form für Mensch oder Tier gefährlich werden können.
|