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Eigentlich hieß sie 'Fethard Girl', aber kein Mensch hat sie je so genannt, außer vielleicht in ihrer Heimat Irland, wo die Stute aufwuchs. Über ihre Kindheit ist nichts weiter bekannt als die Tatsache, dass sie dreijährig nach Deutschland verkauft wurde. Das geht aus den Papieren hervor, die zusammen mit ihr ein paar Mal den Besitzer wechselten.
Auch die erste Zeit in Deutschland liegt im Dunkeln. Der Lebensweg der kleinen gescheckten Stute ließ sich nur ein kurzes Stück zurückverfolgen. Fest steht aber, dass es ihr nicht allzu gut gegangen sein kann. Offenbar wurde das sensible Pferd von einem Besitzerwechsel zum anderen immer
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schwieriger, immer nervöser und 'verrückter', bis sie schließlich fast als unreitbar galt.
Eine Zeitlang stand die Stute bei Leuten, die mehrere Pferde hatten, sich aber nur unregelmäßig um die Tiere kümmerten. Die wenigen Reitversuche der ungeübten Reiter endeten damit, dass das Pferd durchging oder mit leerem Sattel heimkam.
 Die nächste Station war nicht wesentlich besser. Die Stute machte ihrem neuen Namen 'Winnetou' alle Ehre und benahm sich wie ein ungezähmtes Indianerpony. So lernte ich sie kennen. Die Stute war sechs und ich einundzwanzig, als wir uns begegneten und zögernd - sehr zögernd! - eine Freundschaft begannen, die ein
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ganzes Pferdeleben lang anhalten sollte.
Zuerst freilich war es eine sehr einseitige Liebe. Winnie, wie ich die Stute abgekürzt nannte, hatte für Menschen im allgemeinen nichts mehr übrig und machte auch bei mir keine Ausnahme. Drei lange Jahre voller Probleme, Sorgen und Rückschlägen mussten vergehen, ehe die misstrauische Stute ihre Zurückhaltung mir gegenüber verlor.
Allen anderen Menschen gegenüber blieb sie ablehnend und distanziert, reagierte überängstlich, wenn ihr einer zu dicht auf den Pelz rückte, und wich allen gut gemeinten Annäherungsversuchen unweigerlich aus. Das änderte sich erst, als ihre Tochter Lindy geboren wurde.
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