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Buchtipp: Manoel Carlos de Andrade: Die Edle Kunst des Reitens
Die Tradition der portugiesischen Reitkunst - Die Prinzipien Marialvas erstmals in Buchform in deutscher Sprache erhältlich.
Die "Bibel" der portugiesischen Reittradition gibt es nun endlich in deutscher Sprache. Von Manoel Carlos de Andrade (1755-1817) verfasst, von manchen der Inspiration, wenn nicht gar der Feder des berühmten Écuyer Dom Pedro de Alcântara e Meneses, Marquis von Marialva, welcher oft als der "La Guérinière der iberischen Halbinsel" bezeichnet wird, zugeschrieben, und 1790 - welch einmalige Ehrbezeugung! - zu Kosten des Hofes des Regenten und späteren Königs D. João VI. herausgebracht.
Unter der Leitung des Marquis de Marialva, des königlichen Oberststallmeisters, erreichten die Portugiesische Hofreitschule und das Hofgestüt Alter do Chão ihren glänzendsten Höhepunkt. De Andrade war Bereiter an der Hofreitschule, verfasste schon in jungen Jahren eine Übersetzung von La Guérinière ins Portugiesische in Manuskriptform und verewigte durch sein Lebenswerk, das hier erstmals in einer anderen europäischen Sprache vorgelegt wird, die Essenz der portugiesischen Variante klassischer iberischer Reitkunst.
Hier tritt uns eine jahrhundertealte Tradition entgegen, geprägt durch die Herausformung einer kulturspezifischen Integration der gineta und der brida Reitweisen, hochstilisiert im ästhetischen Empfinden des Barock, immer aber der praktischen Reiterei (Kavallerie, Tauromachie, Jagdreiten) verbunden. Die Arbeitsmethoden bestechen durch psychologische Finesse des logischen Ausbildungsaufbaues, Sanftheit der Vorgehensweise und Verständnis für die Natur des Pferdes. Wahrlich revolutionär aber ist die "Interdisziplinarität" des Werkes, der erstmalige Versuch, der Tradition der portugiesischen Reitkunst eine - dem damaligen Verständnis entsprechend der Physik, der Anatomie, der Lern- und Verhaltenspsychologie, der Kinesiologie entlehnte- theoretische Untermauerung zu geben.
Zerebral "wissenschaftlich" und gleichzeitig ausdrücklich dem Empfinden, der Sensibilität, verschrieben, noch in beinahe scholastischen Schemata verstrickt und doch schon "kritisch" nachfragend, schulmeisterlich belehrend und doch immer zum selbständigen Nachdenken, zum Mitfühlen, auffordernd, ist dieses so zutreffend als "Erklärung" betitelte, doch im eigentlichen Sinn als "Aufklärung" konzipierte Buch eines der ganz großen Werke europäischer Reitkultur.
"Luz da liberal e nobre arte da cavallaria" ist darüber hinaus durch die außerordentlich fein gestochenen, sehr naturgetreuen Tafeln, die bis ins Detail Lektionen und Bahnfiguren verdeutlichen, ein einmaliges Kunstwerk, das seine Vorgänger aus allen anderen Ländern, inklusive Ridinger, weit in den Schatten stellt.
Nur etwas mehr als 3000 Exemplare sind, in Original - bzw. Reprintform, je publiziert worden - nie aber ist der Ruhm und Glanz der Reiterei à la Marialva in Vergessenheit geraten, niemals ist, trotz des Unterganges der Großmacht Portugal, der feudalen Gesellschaftsformen, der ursprünglichen Hofreitschule, ja der "barocken" Reitweise überhaupt, das Vermächtnis dieses portugiesischen Kulturbeitrages verloren gegangen. Von Iberien bis nach Lateinamerika und heute wieder bis ins nördlichere Europa hat sich trotz aller Gegenströmungen diese feine, grundlegend der entspannt freudigen handwerklichen Praxis verbundene und immer dem ästhetischen Schaffen und dem Interesse des Pferdes verschriebene portugiesische Reitweise lebendig erhalten.
Der berühmte Reitmeister Nuno Oliveira wich zeitlebens nicht von den Prinzipien La Guérinières und Marialvas ab und die Staatliche Portguiesische Reitschule in Queluz erhebt dieses Werk zum Grundlagenwerk ihrer Ausbildungsprinzipien.
Dieses detailreiche, tiefschürfende Arbeitshandbuch ist mehr als ein Referenzwerk, ist nicht altertümlich sondern immer zeitgerecht für jene, die diesen Werten Bedeutung zumessen. Es ist in der Tat ein Buch der Inspiration.
Manoel Carlos de Andrade
Die Edle Kunst des Reitens - Erklärung für eine vernunftgemäße Praxis
Aus dem Portugiesischen von Dr. Christian Kristen. Originalausgabe: Luz da Liberal e Nobre Arte da Cavalaria, Lissabon 1790. Ca. XXXVII/629 S. mit 1 Porträt, 7 gestochenen Vignetten und 93 Kupfern. (DOCUMENTA HIPPOLOGICA).
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