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Buchtipp: Andrea Zachrau: Chantis Fohlentagebuch
Die Welt mit Pferdeaugen sehen
Von Kindheitsbeinen an verbrachte Andrea Zachrau ihre Freizeit im Pferdestall. Lange blieb der Wunsch nach einem eigenen Vierbeiner unerfüllt. Bis Chanti in ihr Leben trat. "Als sie geboren wurde, wusste ich, dass sie mein Pferd ist", erzählt die Autorin. Als das hübsche Stutfohlen zur Welt kam, begann nicht nur eine innige Freundschaft zwischen Pferd und Mensch. Gleichzeitig wurde die Idee geboren, "Chantis Fohlentagebuch - ein Pferdekind entdeckt die Welt" zu schreiben. Und zwar mit Chanti als Ich-Erzählerin.
"Ich habe sie sechs Monate lang begleitet, unzählige Fotos gemacht und ihre Erlebnisse aus ihrer Sicht aufgeschrieben", sagt Andrea Zachrau. Dabei habe sie besonderes Augenmerk auf die authentische Darstellung der Geschehnisse gelegt. "Als Kind habe ich mit Begeisterung Pferdebücher gelesen. Was mir immer gefehlt hat, war die tatsächliche Nähe zum Tier, das Kennenlernen der Welt aus Sicht eines Pferdes."
Mit ihrem Buch hat sie diesen Wunsch jetzt umgesetzt. Denn: "Viele Geschichten in Kinderbüchern sind frei erfunden und unrealistisch. Meist gibt es zwar viele bunte Zeichnungen dazu, aber keine realen Fotos." Ganz anders bei Chantis Tagebuch: Alle Geschichten, die von der kleinen Stute erzählt werden, sind tatsächlich passiert. Und: Statt eindrucksvoller Zeichnungen gibt es zu jedem Kapitel Farbfotos von der Protagonistin. "Ich denke, die Leser wollen sehen, wer dahinter steht. Auf diesem Wege lernen sie Chanti kennen, wie sie tatsächlich ist. Sie können die Entwicklung, die sie innerhalb des halben Jahres macht, bildlich mitverfolgen."
Inhaltlich werden Höhe- und Tiefpunkte im Leben eines Pferdekindes dargestellt, wie sie unzählige Fohlen überall auf der Welt erleben. Mit der Ausnahme, dass sie noch nie niedergeschrieben wurden. Autorin Andrea Zachrau ist froh, dass sie aus Chantis Geschichte keinen Abenteuerroman gemacht hat, sondern einfach die Erlebnisse unverfälscht wiedergeben werden. "Schließlich bringt eine ‚ganz alltägliche' Fohlengeschichte schon jede Menge Schreibstoff mit sich," schmunzelt sie.
So kam es, dass Chanti sich plötzlich verirrte und sich fälschlicherweise einem anderen Pferd anschloss, von dem sie annahm, dass es ihre Mutter ist. Oder, dass sie lernen musste, ihre Mutter - wenn auch nur kurz - zu entbehren. Die wohl schlimmste Zeit durchlebte das Fohlen während einer Verletzung. Darauf folgten jedoch auch zahlreiche schöne Erlebnisse wie der erste Weidegang, die Teilnahme an einer Fohlenschau und das Zusammentreffen mit ihrem Vater. Kaum hatte Chanti die Scheu vor den Menschen verloren, wurde sie zum echten Wirbelwind, der "die komischen Zweibeiner" mit Vorliebe an der Nase herumführte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht zweifelsohne die feste Bindung zu ihrer Mutter. Sie ist immer bei Chanti, hilft ihr in brenzligen Situationen und, vor allen Dingen: erklärt ihr die Welt. Umso schwerer fällt der jungen Stute der Abschied von ihrer Mama, der gleichzeitig die erste große Herausforderung im jungen Leben des Pferdekindes darstellt...
Leseprobe:
[...]Hier könnt ihr das erste Kapitel von
"Chantis Fohlentagebuch - ein Pferdekind entdeckt die Welt" lesen:
Endlich das Licht der Welt erblickt
Hurra! Endlich ist das lange Warten vorbei.
Gestern hat meine Mama mich zur Welt gebracht. Puh, war das anstrengend!
Ich glaube, Mama wollte endlich ihren dicken Bauch loswerden, mit dem sie monatelang herumgetrabt war. Plötzlich ging alles ganz
schnell und ich war da!
Kaum lag ich im Stroh, spürte ich Mamas warmen Atem. Sie beschnupperte mich von oben bis unten und begann sofort, mein nasses Fell abzulecken. Bestimmt hat sie gemerkt, wie kalt mir war, als ich auf einmal ihren Bauch verlassen musste. Dort
war es so schön warm und weich... Aber hier draußen scheint es auch nicht schlecht zu sein: Ich habe viel Platz und kann mich so lang ausstrecken, wie ich will.
Dann durfte ich das erste Mal Milch probieren. Mmh, lecker! Einziges Problem: Dafür musste ich aufstehen... Eine echte Herausforderung. Denn irgendwie wollten mir meine Beine noch nicht so recht gehorchen – ich rutschte immer wieder weg und fiel zurück ins Stroh. Zum Glück kam mir
Mama gleich zur Hilfe. Als ich mich halbwegs aufrecht halten konnte, stupste sie mich in die richtige Richtung.
Danach war ich so müde, dass meine Augen
gleich wieder zufielen. Ich glaube, Mama musste sich auch erst mal ausruhen. Aber sie war die ganze Zeit bei mir und hat nach mir geschaut.
Jetzt bin ich gespannt, was sie mir noch alles zeigen wird. Sie hat mir versprochen, wenn ich etwas größer bin, darf ich noch viel mehr von der Welt sehen. Wenn meine Beine mich nur jetzt schon richtig tragen könnten...
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Wer denkt, Chantis Fohlentagebuch wäre ein reines Kinderbuch, der irrt. "Ich habe festgestellt, dass Eltern und pferdebegeisterte Erwachsene genauso mit Chanti mitfiebern. Schließlich erinnern viele der Tagebucheinträge an Dinge, die man schon einmal mit dem eigenen Pferd erlebt hat", erzählt die Autorin.
Weitere Informationen: www.chantis-fohlentagebuch.de
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